Neue Niere für einen Patienten aus Löningen
Cloppenburg. Toni Münzebrock (56) aus Löningen leidet an einer erblichen Nierenerkrankung, die über Jahrzehnte beide Nieren zerstörte. Erschwerend kam eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hinzu, die mehrfach zu Flüssigkeitsverlust und damit zu einer zusätzlichen Belastung der bereits geschädigten Nieren führte.
Der Patient erhielt nun eine neue Niere, die ihm seine Ehefrau Doris (54) spendete, obwohl sie eine andere Blutgruppe hat. Ebenfalls besonders: Die gesamte Vorbereitung zur Transplantation, die Einstellung auf ein spezielles Medikament gegen die Grunderkrankung, die Behandlung der Darmerkrankung und die lebenslange Nachsorge für beide — den Empfänger und die Spenderin — finden in Cloppenburg am St.-Josefs-Hospital statt. Die eigentliche Operation wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführt.
Möglich ist das, weil Prof. Dr. Johan Lorenzen am St.-Josefs-Hospital eine in der Region einzigartige Doppelrolle einnimmt: Er ist Chefarzt für Innere Medizin und Geriatrie und zugleich Nephrologe mit eigener KV-Ermächtigung für die ambulante Nephrologie. In seinen nephrologischen Ambulanzen betreut er Patienten mit dem gesamten Spektrum der Nierenmedizin — von der Diagnostik und Behandlung genetischer Nierenerkrankungen über die Vorbereitung einer Lebendspende bis hin zur lebenslangen Nachsorge nach Transplantation. Die Transplantation selbst erfolgt am Zentrum in Hannover, doch die gesamte Kette davor und danach läuft in Cloppenburg. Diese durchgängige nephrologische Versorgung auf Spitzenniveau — Diagnostik, Transplantationsvorbereitung, Nachsorge und die Betreuung seltener genetischer Nierenerkrankungen an einem wohnortnahen Standort — ist in dieser Form nur hier möglich.
So konnten in Cloppenburg die umfassende Abklärung der Transplantationsfähigkeit, Optimierung des Gesundheitszustands und immunologische Voruntersuchungen gemacht werden. Für die Spenderin war zudem die Sicherstellung erforderlich, dass die Spende medizinisch vertretbar ist — einschließlich Nierenfunktion, Blutdruck, allgemeiner Gesundheitszustand. „Der Schutz der Spenderin hat absoluten Vorrang", so Prof. Dr. Lorenzen. „Der Fall zeigt, was möglich ist, wenn die gesamte nephrologische Kompetenz an einem Standort gebündelt ist — die Patienten müssen für die Vor- und Nachsorge nicht dauerhaft an eine Universitätsklinik angebunden sein."
Auch die Nachsorge ist umfangreich: Nach der Transplantation beginnt die eigentliche Langzeitarbeit: Der Empfänger wird in Cloppenburg mindestens alle drei Monate gesehen, bei Bedarf häufiger. Die Nachsorge umfasst die Überwachung der Transplantatfunktion, die Steuerung der Immunsuppression mit regelmäßiger Spiegelkontrolle, die Behandlung des Morbus Crohn sowie die Vorsorge hinsichtlich typischer Langzeitkomplikationen nach Transplantation. Die Spenderin wird jährlich kontrolliert, um ihre Nierenfunktion langfristig zu überwachen — auch das geschieht in Cloppenburg. Die Nachsorge für Lebendspender ist eine ärztliche und ethische Verpflichtung, die nicht nach der OP endet.
Die Autosomal-Dominante Polyzystische Nierenerkrankung des Patienten ist die häufigste erbliche Nierenerkrankung weltweit. Etwa einer von 1.000 Menschen ist betroffen. In Deutschland leben rund 60.000 bis 80.000 Betroffene.
Bei der Erkrankung wachsen in beiden Nieren über Jahre hunderte flüssigkeitsgefüllte Zysten. Die Nieren können auf das Mehrfache ihrer normalen Größe anwachsen. Das gesunde Nierengewebe wird dabei nach und nach verdrängt. Verlauf: Die Erkrankung beginnt meist unmerklich und schreitet langsam voran. Viele Betroffene bemerken erst im Alter von 40 – 60 Jahren, dass ihre Nierenfunktion nachlässt. Etwa die Hälfte aller Patienten benötigt im Lauf des Lebens eine Nierenersatztherapie — Dialyse oder Transplantation.
Neben der Nierenerkrankung leidet der Patient aus Löningen an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Warum das für die Niere relevant ist: Bei Schüben des Morbus Crohn — insbesondere mit Durchfällen — verliert der Körper große Mengen Flüssigkeit. Diese Austrocknung (Exsikkose) belastet die Nierenfunktion zusätzlich und hat bei dem Patienten bereits zu vorübergehenden Verschlechterungen der Transplantatfunktion geführt.
In Cloppenburg betreut Prof. Dr. Lorenzen zurzeit rund 50 Nierentransplantierte.
