Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung auf immer älter werdende Menschen eingestellt
Dinklage. Die Zahl alter Menschen mit Mehrfacherkrankungen nimmt zu. Die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung sind darauf eingestellt und haben die Weiterentwicklung der geriatrischen Versorgung in der Region jetzt im Rahmen einer Veranstaltung in Dinklage vorgestellt und diskutiert.
Prof. Dr. Johan Lorenzen, Direktor der geriatrischen Kliniken der Schwester-Euthymia-Stiftung, hatte die Veranstaltung initiiert: "Im Mittelpunkt unseres Engagements steht eine enge Verzahnung der geriatrischen Fachbereiche mit dem Ziel, Synergien zu nutzen, die Sichtbarkeit des Fachgebiets zu erhöhen und gleichzeitig eine bestmögliche Versorgung alter Patienten im nordwestlichen Niedersachsen sicherzustellen."
Ulrich Pelster, Vorstandsvorsitzender der Schwester-Euthymia-Stiftung: „Alle beteiligten Kliniken stimmen die geriatrische Versorgung im Verbund gemeinsam ab, fördern den Austausch über Standorte hinweg und etablieren gemeinsame Qualitätsstandards."
Bei der Veranstaltung der Schwester-Euthymia-Stiftung in Dinklage zeigten Experten aus der Region Wege dazu auf. Diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen, praxisnahe Versorgungskonzepte und zukunftsweisende Netzwerke für die Altersmedizin.
"Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur medizinische Fragen wie Multimorbidität, Demenz, Mobilität und Diabetes im Alter, sondern auch strukturelle Lösungen für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Klinik, Hausarztpraxis, Pflege und Reha", so Prof. Dr. Johan Lorenzen. Die Veranstaltung habe neue Impulse für die Versorgung alter Menschen in der Region gegeben.
Zunächst ging es um die Geriatrie in der Hausarztmedizin: Dr. Heiko Jörg Dietzel, Chefarzt Neurologie, Krankenhaus St. Elisabeth Damme, sprach in diesem Zusammenhang über Gangstörungen aus neurologischer Sicht. Auf Schmerz und die Einnahme einer Vielfalt an Medikamenten im Alter ging Dr. Corinna Drebenstedt, St.-Marien-Hospital Friesoythe, ein.
Einblicke in den Umgang mit dementen Patienten im St. Franziskus-Hospital Lohne gab Chefärztin Irina Aleksandrova: "Die Demenzen zählen heute zu den häufigsten Erkrankungen im Alter." Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland seien betroffen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft 2024). Damit sei bereits heute etwa jeder zehnte Mensch über 65 Jahre an einer Demenz erkrankt. Die Zahl der Betroffenen werde bis 2050 auf mindestens 2,3 Millionen steigen. Frauen seien häufiger betroffen als Männer, vor allem aufgrund der höheren Lebenserwartung und des damit einhergehenden höheren Anteils weiblicher Personen in den höchsten Altersgruppen.
Diabetes im Alter war das Thema von Dr. Thea Laurentius, Klinikum Oldenburg: Probleme seien, häufig zu straffe Langzeitblutzucker-Zielwerteinstellungen, fehlende altersspezifische Langzeitblutzucker-Referenzwerte, eine fehlende Therapieanpassung an den Funktionsstatus, häufige Übertherapien und mangelnde individuelle Therapiekonzepte. Es sei wichtig, jeden Krankenhausaufenthalt für ein Hinterfragen des Therapiekonzeptes zu nutzen, so Dr. Laurentius.
Prävention, Rehabilitation und Versorgung neu gedacht – lautete das Thema eines weiteren Blocks: Chefarzt Jan-Philipp Symanczik (Krankenhaus St. Elisabeth Damme) erläuterte in diesem Zusammenhang das Delirmanagement.
Dr. Uta Likus, leitende Ärztin Mobile Reha Bremen (einzige mobile Reha in Norddeutschland und größte in Deutschland mit 622 Rehabilitanten im vergangenen Jahr), sprach über die mobile Rehabilitation in der Pflegeeinrichtung sowie in der Häuslichkeit und stellte diese an Fallbeispielen vor.
Über die neurologische Frührehabilitation informierte Chefarzt Dr. Marcel Knosalla vom Krankenhaus St. Elisabeth Damme. Die Klinik für Neurologische Frührehabilitation in Damme versorgt Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Erkrankungen direkt nach der Erstversorgung. Noch während der Akutbehandlung – der sogenannten Phase A – kann die neurologische Frührehabilitation der Phase B beginnen. "Gerade im neurologischen Bereich ist frühzeitiges Handeln sehr wichtig – das gilt im Besonderen für die Rehabilitationsbehandlung", so Dr. Knosalla: "Wir bieten eine intensive Betreuung, um den Zustand der Patienten zu stabilisieren. Ziel ist außerdem, mithilfe einer Frühmobilisierung Folgeschäden zu minimieren oder im besten Fall gänzlich zu vermeiden. Um das zu erreichen, arbeitet ein kompetentes, erfahrenes Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegefachkräften eng zusammen."
In einem weiteren Themenblock der Veranstaltung wurde Ausblick gehalten: Perspektiven auf Würde, Rolle und Identität zeigte Prof. Dr. Jörg Zimmermann (Klinikdirektor Gerontopsychiatrie, Karl-Jaspers Klinik Bad Zwischenahn) auf. Er zitierte Thomas Rentsch mit den Worten: "Im Altern vollzieht sich eine Radikalisierung der menschlichen Grundsituation, die ein Werden zu sich selbst ermöglicht.“ Im Vortrag wurde der Zusammenhang zwischen Endlichkeit und Sinn erläutert. Viktor E. Frankl, der Erfinder der sinnorientierten Logotherapie, war der Auffassung, dass eine angemessene Haltung gegenüber leidvollen Situationen für deren Bewältigung entscheidend sein kann.
Prof. Dr. Johan Lorenzen erklärte zudem in seinem Beitrag, warum die Nierenfunktion im Alter über mehr entscheidet als nur über Dialyse: "Mit zunehmendem Alter nimmt die Nierenleistung physiologisch ab, was weitreichende Auswirkungen auf den Stoffwechsel, die Medikamentenverträglichkeit sowie auf das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen hat." Die Nierenleistung im Alter werde häufig überschätzt. Gerade bei alten Patienten mit Mehrfacherkrankungen sei eine präzise Einschätzung der Nierenfunktion entscheidend, um Therapien sicher und individuell anzupassen. Gleichzeitig stellte Prof. Dr. Lorenzen dar, dass bei hochbetagten Patienten die Entscheidung für oder gegen eine Dialyse sorgfältig abgewogen werden müsse, da Lebensqualität, Multimorbidität und funktioneller Status eine ebenso große Rolle spielten wie medizinische Parameter.
Die Veranstaltung sei ein voller Erfolg gewesen, so Prof. Dr. Lorenzen, deshalb seien weitere Symposien dieser Art geplant, denn hier würden Erfahrungen geteilt, die letztendlich dem Patienten zugute kämen.
