Dammer Krankenhaus in der Schlaganfallversorgung gut aufgestellt
Damme. „Time is brain“ – Zeit ist Gehirn – lautet die zentrale Regel in der Schlaganfallmedizin. In einer Veranstaltung des Dammer Krankenhauses in der Scheune Leiber, die Dr. Heiko Dietzel, Chefarzt der Neurologischen Klinik, initiiert hatte, ging es vor allem um neue Entwicklungen der stationären Versorgung, aber auch um die Versorgung vor der Aufnahme in das Krankenhaus.
Denn für viele Menschen im ländlichen Raum bedeutetet ein schwerer Schlaganfall bislang vor allem Zeitverlust. Wertvolle Minuten verstreichen auf dem Weg in spezialisierte Zentren – Minuten, die oft über Leben, Selbstständigkeit und Lebensqualität entscheiden. In der hiesigen Region konnte mit der Einführung hochmoderner Therapieverfahren im Krankenhaus Damme – zum Beispiel der Thrombektomie (mechanische Entfernung von Blutgerinnseln im Gehirn) - Abhilfe geschaffen werden.
Das bewerten auch die Rettungsdienste als sehr positiv. Dr. Hendrik Weseloh, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Diepholz, lobte diese Entwicklung und erläuterte, dass der Rettungsdienst dank neuer Technik nun noch besser erkennen könne, wann welche Kapazitäten auch im Dammer Krankenhaus verfügbar seien. Das sei sehr hilfreich.
Die Organisation der Schlaganfallversorgung im Landkreis Osnabrück erläuterte Martin Deicke, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Landkreis Osnabrück. Es sei gut, dass mit Damme auch ein spezialisiertes Krankenhaus an der Grenze des Landkreises angefahren werden könne und hier eine ausgezeichnete Versorgung garantiert sei.
Um akute Großgefäßverschlüsse ging es in den Vorträgen von Ismail Shaer, Leitender Oberarzt Neurologische Klinik Damme, und Dr. Satish Kumar Bajaj, Leiter der Interventionellen Neuroradiologie Damme. Sie stellten entsprechende Fallbeispiel vor.
Chefarzt Dr. Heiko Dietzel zeigte im Anschluss aktuelle Entwicklungen der Schlaganfallversorgung auf. So erläuterte er unter anderem anhand neuer Studien, wie sich die Behandlung von Schlaganfällen verändern würde. Er wies auf neue Medikamente zur Vorbeugung von Hirninfarkten hin und stellte in diesem Zusammenhang auch eine interessante Untersuchung über Kaffeekonsum vor. Auch wurde über neue Erkenntnisse bei der Therapie von Verengungen der Halsschlagader gesprochen.
Über Verengung oder Verschluss der Halsschlagader, meist verursacht durch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), informierte auch Dr. Nicole Bogun, Chefärztin der Angiologie am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg, das eng mit dem Dammer Krankenhaus zusammenarbeitet. Diese sogenannte Carotisstenose (Hirnschlagadernverengung) sei eine gefährliche Erkrankung, da sie die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn drossele und das Risiko für Schlaganfälle stark erhöhe. Die Chefärztin erläuterte das standardisierte Vorgehen bei hochgradiger Carotisstenose, wenn eine OP der Halsschlagader im zertifizierten Gefäßzentrum am St.-Josefs-Hospital erforderlich ist. Sie zeigte einen seltenen Fall einer jungen Frau mit vorzeitiger schwerer Arteriosklerose der Halsschlagader und Schulterarterien auf sowie eine seltene entzündliche Erkrankung (Takayasu-Arteriitis) einer jungen Frau. Mittlerweile sind in Cloppenburg aufgrund der besonderen Expertise sechs Patientinnen mit dieser seltenen Erkrankung behandelt worden.
Prof. Dr. Johannes Woitzik, Chefarzt der neurochirurgischen Universitätsklinik Oldenburg, beantwortete abschließend die Frage, ob Hirnblutungen angesichts aktueller wissenschaftlicher Entwicklungen noch operiert werden müssen.
